2. Ökumenischer Kirchentag
München 2010
zur Homepage des ÖKT 2010 hier finden Sie viele Berichte vom Kirchentag zu verschiedenen Themen.
Die für uns wohl interessanteste Veranstaltung fand am Freitag, 14. Mai 2010 statt:
Getrennt am Tisch des EINEN Herren?
Diskussion um Abendmahl und
Eucharistie
Statements
Weihbischof Dr. Hans-Jochen Jaschke, Hamburg
Landesbischöfin Ilse Junkermann, Magdeburg
Rosmarie Lauber, Netzwerk konfessionsverbindender Paare und Familien, Weil der
Stadt
Dr. Ioan Moga, orth. Theologe, München
Dr. Uwe-Karsten Plisch, ev. Theologe, Hannover
Kommentar
Prof. Dr. Dr. h.c. Otto Hermann Pesch, kath. Theologe, München
Impuls
P. Dr. Philip Endean SJ, Oxford/Großbritannien
Podium
Weihbischof Dr. Hans-Jochen Jaschke, Hamburg
Landesbischöfin Ilse Junkermann, Magdeburg
Prof. Dr. Dorothea Sattler, Direktorin Ökumenisches Institut, Münster
Moderation: Arnd Brummer, Frankfurt/Main
Anwältinnen des Publikums:
Dr. Anna Briskina-Müller, Halle/Saale
Dr. Anna Karena Müller, Marburg
Die Teilnahme von Angehörigen anderer Konfessionen an der katholischen Eucharistie ist nach Darstellung des katholischen Theologen Otto Hermann Pesch auch offiziell möglich und nicht nur stillschweigend geduldete Praxis. Der Hamburger katholische Weihbischof Hans-Jochen Jaschke bestätigte diese Sicht: „Wer in guter Haltung herantritt, darf nicht zurückgewiesen werden.“ Er ermunterte Ehepartner in konfessionsverbindenden Ehen, gemeinsam zur Eucharistie zu gehen.
In der Podienreihe Ökumenische Brennpunkte erklärte der Münchner Theologe Otto
Hermann Pesch, nach katholischem Kirchenrecht dürfe niemand, der zu der Feier
hinzutrete, zurückgewiesen werden, da dies einer „Diffamierung“ vor der Gemeinde
gleichkomme. Die wenigsten Priester wüssten das. Weihbischof Jaschke
präzisierte, dass wer am Abendmahl teilnehmen wolle, um zu provozieren
abgewiesen werden müsse. Jaschke ermunterte insbesondere Christen in
konfessionsverbindenden Ehen, gemeinsam mit dem Partner ruhig am Herrenmahl der
jeweils anderen Glaubensrichtung teilzunehmen. „Wenn Menschen darin ihrem
Gewissen folgen, dann freut sich der Papst“, sagte der Weihbischof.
Keine offizielle Einladung der katholischen Kirche
Jaschke warb um Verständnis, dass eine offizielle Einladung der katholischen
Kirche zum Abendmahl an Andersgläubige derzeit nicht möglich sei. „Die
Gemeinschaft am Tisch des Herrn benötigt Regeln, die es noch nicht gibt.“ Dafür
bitte er um Geduld. Das Abendmahl sei für Katholiken „das Allerheiligste“. Sie
könnten es nicht von einem Priester entgegennehmen, der von ihrer Kirche nicht
akzeptiert sei. Auch Pesch sagte, eine offizielle Einladung sei nicht möglich,
solange bei Protestanten „die Brotreste des Abendmahls als Croutons im Salat
landen und angebrochener Wein der Party zugeführt wird“.
Christus lädt ein, nicht die Kirche
Die katholische Theologin Dorothea Sattler will jedoch seit dem ersten
Ökumenischen Kirchentag 2003 in der evangelischen Kirche einen „sensibleren
Umgang“ mit Abendmahlsgaben beobachtet haben. Scharf kritisierte der
evangelische Studierendenseelsorger Uwe-Karsten Plisch die von ihm beobachtete
Praxis katholischer Kollegen, auch nach mehrtägigen gemeinsamen Veranstaltungen
protestantische Teilnehmer mit einem Segensangebot vom Abendmahl fernzuhalten.
„Niemand mit einem Funken Selbstachtung tut sich das an.“ Für Plisch ist das
getrennte Abendmahl nicht theologisch begründet, sondern Ausdruck von Macht und
Kontrolle. Die evangelische Bischöfin Ilse Junkermann empfindet die Trennung als
„schmerzlich“. Nicht die Kirche lade dazu ein, „Christus ist der Gastgeber“.
Klage über Ausschluss Andersgläubiger
Bitter beklagte die mit einem Katholiken verheiratete Methodistin Rosmarie
Lauber die Praxis des Ausschlusses Andersgläubiger. Der orthodoxe Theologe Ioan
Moga erklärte hingegen, ein gemeinsames Abendmahl bedeute bereits die Einheit
der Kirche. Solange es diese nicht gebe, sei es nicht möglich – „auch wenn das
hart klingt“. Der britische Jesuit Philip Endean bemängelte, dass Christen die
Trennung beim Abendmahl aus Gehorsam befolgten, nicht aus Überzeugung. „So ist
die Lehre eine Last, dabei soll sie eine Quelle der Gnade sein.“
zum Bericht von Dorothea Sattler (PDF 84kB)