2009 Ökumenische Fachtagung
Dienen die Kirchen der Welt und dem Reich Gottes?
Veranstalter: Diözesankommission für ökumenische Fragen der Erzdiözese Wien und das Kardinal König Haus
Bedingt durch unterschiedliche Ereignisse im Laufe der Geschichte ist heute die Christenheit in viele Kirchen und kirchliche Gemeinschaften aufgesplittert. Dienen die Kirchen in dieser Vielfalt den Menschen von heute und der Verwirklichung des Reiches Gottes? Oder sind sie zu sehr Selbstzweck und dadurch Hindernis auf dem Weg zum Heil?
Die Ökumenische Fachtagung 2009 geht – ausgehend von den ekklesiologischen Ansätzen von orthodoxer, katholischer und evangelischer Theologie – der Frage nach, inwieweit durch die Ökumene das gemeinsame Ziel deutlicher werden kann.
Ablauf
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Freitag, |
30. Jänner 2009 |
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15:00 |
Univ. Prof. Dr. Rudolf Prokschi |
Begrüßung und Einführung |
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15:15 |
Univ. Prof. Dr. Jürgen Werbick |
Eine Antwort aus katholischer Sicht |
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16:00 |
Prof. Dr. Anastasios Kallis |
Eine Antwort aus orthodoxer Sicht |
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17:00 |
Bischof Dr. Michael Bünker |
Eine Antwort aus evangelischer Sicht |
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17:45 |
Podiums- und Plenumsdiskussion |
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| 19:00 | Gebet |
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| 19:30 | Agape |
| Eröffnung | |||||||
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| durch Direktor P. Christian Marte SJ | ... und durch Univ. Prof. Dr. Rudolf Prokschi | ||||||
| Vortrag und Kurzreferate | |||||||
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| Prof. Dr. JÜrgen Werbick | Prof. Dr. Anastasios Kallis | Bischof Dr. Michael Bünker | |||||
| Podiumsdiskussion | |||||||
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| Stellungnahmen und Anfragen aus dem Publikum | |||||||
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| Antworten auf die Anfragen durch die Referenden | |||||||
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Bericht (epd):
"Kirche ist kein Selbstzweck, sie ist vielmehr ein Zeichen hin auf das Reich Gottes und auf der anderen Seite ein Werkzeug, mit dem Gott wirkt in der Welt", sagte der lutherische Bischof Michael Bünker in seinem Vortrag bei der ökumenischen Fachtagung "Dienen die Kirchen der Welt und dem Reich Gottes?" am 30. Jänner im Kardinal König Haus in Wien. So sei es eine Bestimmung von Kirche, "vom Anbrechen des Reiches Gottes in der Kirche zu reden und Zeugnis zu geben vom Evangelium". In Bezug auf die Welt habe die Kirche etwas zu sagen zur Ökonomie und zu den krisenhaften Wirtschaftskämpfen: "Die Kirche muss an die Ökonomie der Jesusbewegung erinnern und eine 'Ökonomie des Genug' aufzeigen." Dies solle auch durch die Tat bezeugt werden: "Unser Lebensstil muss sich ändern dahingehend, dass wir mit 2000 Watt Energieverbrauch täglich auskommen." Das bedeute beispielsweise, dass man sich nicht mehr jeden Tag die Haare föhnen könne. In der Politik gehe es für die Kirchen darum, eine Kontrolle der Macht auszuüben und die Geltung der Menschenrechte durchzusetzen. "Auch im kulturellen Bereich kann Kirche ihre Kompetenz ausspielen, etwa bei der Bildung oder der Wertschätzung der Kultur gerade auch der Minderheiten." Gefordert sei eine öffentliche "Theologie der Zivilgesellschaft", wie es mit dem Sozialwort der Kirchen bereits geschehen sei.
Verkündigen, was Christus gelebt hat
"Kirche hat zu verkündigen, was Christus ihr vorgelebt hat und das Reich Gottes
anzukündigen. Alles andere dient dieser Priorität", betonte der
Fundamentaltheologe Prof. Jürgen Werbick von der Westfälischen
Wilhelms-Universität in Münster/Westfalen. Dabei gehe es um das Konzept der "diakonalen
Präsenz" und die Frage, was die Kirche der Welt verdanke und nicht nur, was die
Welt der Kirche verdanke. "Die weitere Frage lautet: Hat die Kirche ihre
Hausaufgaben gemacht oder wieder nur Strukturdebatten geführt?" Kirche müsse
"Biotope der Ermutigung pflegen und eine spirituelle Atmosphäre schaffen. An
diesen Orten der Achtsamkeit müssen alle Menschen merken, dass sie willkommen
sind als die, die sie sind." Zu den Leistungen, die die Kirche der Welt
schuldet, gehörten eine "Grundinformation über den christlichen Glauben und
Religiosität, eine grundsätzliche Hörbereitschaft für die Anliegen aller
Menschen und die Vermittlung der Grunderfahrung, dass alle Menschen angenommen
sind". Denn nach wie vor gelte der Satz: "Eine Kirche, die nicht dient, dient zu
nichts."
Die Kirche sei die "Verwirklichung des Heilsmysteriums, das die Verstandeskraft
übersteigt", sagte der emeritierte Professor für Geschichte und Theologie der
Ostkirchen, Anastasios Kallis. Ein Problem sei die Glaubwürdigkeit des
Zeugnisses, "denn mehr noch als den Problemen der Menschen widmet sich die
Kirche nach wie vor ihren eigenen dogmatischen Problemen. So hat sie keine Zeit
für die Probleme der Menschen." Eine Orthodoxie, die ihrer Geschichte treu
bleibe, verteidige nicht alte Bräuche und Systeme, sondern verwirkliche eine
"lebendige Gemeinschaft, die hoffnungsvolle Zukunft eröffnet mit Lebensräumen,
die barmherzig, flexibel und lebenswirklch gestaltet sind".
Moderiert hat die ökumenische Fachtagung Univ.-Prof. Rudolf Prokschi, der die
Veranstaltung eröffnet hat mit den Worten: "Ökumene braucht Orte, und wir
möchten hier ein guter Ort sein für Ökumene." Ökumene brauche auch Perspektiven,
es gehe nicht darum, den Status quo zu verteidigen, "obwohl das heute manchmal
vielleicht schon sehr viel wäre".